Vortrag: „Privatstädte als Labore für einen totalitären Kapitalismus“ von Andreas Kemper

Wann

21. Oktober 2026    
19:30 - 22:30

Wo

Z Rosenheim
Samerstr. 11, 83022 Rosenheim
Karte nicht verfügbar
Privatstädte als Labore für einen totalitären Kapitalismus
Attac Rosenheim lädt zu einem Vortrag von Andreas Kemper
Am 21. Oktober 2026 um 19:30 Uhr lädt Attac Rosenheim zu einem Vortrag von Andreas Kemper ein. Im Z, dem Linken Zentrum in Rosenheim (Samerstraße 11), stellt der Soziologe Kemper sein Buch vor: „Privatstädte – Labore für einen neuen Manchesterkapitalismus“. Buch und Vortrag richten den Fokus auf eine der antidemokratischen Entwicklungen im gegenwärtigen Rechtsruck: Privatstädte, in denen private Unternehmen als unumschränkte Eigentümer jegliche Demokratie ersetzen sollen, als Labore für einen totalitären Kapitalismus.
Am 06. September 2026 hat die sogenannte ›Alternative für Deutschland‹ in Sachsen-Anhalt fast die Hälfte der abgegebenen Stimmen gewonnen. Damit droht erstmals seit dem Ende des Nationalsozialismus eine gesichert rechtsextreme Partei das Regierungsoberhaupt eines Bundeslands in Deutschland zu stellen. Diese Zäsur wird aktuell zurecht breit ausgeleuchtet und diskutiert.
Weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit werden antidemokratische Bestrebungen währenddessen auch jenseits von Wahlen, die uns aktuell erschüttern, bereits seit langer Zeit vorangetrieben:  Fanatisch-neoliberale Netzwerke arbeiten bereits seit der Weltwirtschaftskrise 2008 unter anderem an der Entwicklung von sogenannten ›Privatstädten‹. Gemeint sind Gebiete, in denen private Unternehmen als unumschränkte Eigentümer jegliche Demokratie ersetzen sollen.
„Prosperá“, auf einer Insel in Honduras gelegen, ist ein frühes Beispiel für eine solche ›Sonderentwicklungszone‹, in der nationale Gesetze praktische keine Geltung mehr haben. Einheimische befürchten Enteignungen und sogar Menschenrechtsverletzungen, denn Mitbestimmung ist für sie nicht mehr vorgesehen: In der Privatstadt soll allein das Recht des Betreibers gelten.
Zunächst geht es hier um ›Pilotprojekte‹, in denen sich zuvorderst gebürtig Deutsche wie der Investor Peter Thiel (Paypal), der Architekt Patrik Schumacher (Zaha Hadid Architects) oder der Privat­stadtunternehmer Titus Gebel engagieren. Sie suchen sich bewusst Regionen in armen Staaten wie Honduras aus, in denen sie radikal antidemokratische Projekte ausprobieren können.
Diese Privatstädte mit eigenen Gesetzen, eigener Gerichtsbarkeit und Polizei dienen als Labore für einen neuen Manchesterkapitalismus in einer postfordistischen ›Brave New World‹. wo Demokratie auf eine ›Abstimmung mit dem Geldbeutel‹ zurückgefahren wird. Und gerade die AfD forderte unlängst die Ausrichtung der deutschen Entwicklungs­politik auf die Förderung solcher ›Modellstädte‹.
Im Anschluss an den Vortrag diskutieren Andreas Kemper und die Mitglieder von Attac Rosenheim gerne mit allen Teilnehmenden. Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos; über Spenden freut Attac Rosenheim sich sehr.
Andreas Kemper ist Soziologe und Beirat des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung (DISS). Er machte ab 2009 den Begriff ›Klassismus‹ bekannt und trug zur Selbstorganisierung von Arbeiterkindern gegen Bildungsbenachteiligungen an Hochschulen bei. Kemper gab bereits im Juli 2013 das erste Buch zur AfD heraus und warnte schon 2014 vor einem faschistischen Flügel in der Partei, der sich rund um Björn Höcke organisiert hat.
Allein dies weist Kemper als einen Forschenden aus, der autoritäre Projekte nicht nur frühzeitig als solche erkennt, sondern sie – basierend auf seinen so tiefen wie umfassenden Recherchen – klar als Gefahr benennt. Aktuell befasst er sich intensiv mit den demokratiefeindlichen Tendenzen von rechtsliberalen Tech-Milliardären, die mit der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, Kryptologie-Währungen und dem Sozialabbau dealen. ›Privatstädte‹ schaffen die Demokratie ab, so der zentrale Inhalt eines der wichtigsten Bücher, das Kemper in den vergangenen Jahren veröffentlicht hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert